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Alpenüberquerung Garmisch - Gardasee Juli 2025

Schon wieder zu Fuß über die Alpen? Ja, in diesem Jahr steht wieder eine Alpenüberquerung an.

Im Jahr 2014 habe ich Blut geleckt und bin in vier Wochen von München nach Venedig gewandert. Jeden Meter zu Fuß, kein Bus, keine Seilbahn, kein Taxi oder sonstige Fortbewegungsmittel. Das Wetter im Sommer 2014 war sehr wechselhaft mit viel Regen. Trotzdem hat es mich fasziniert, mehrere Wochen unterwegs zu sein.

2016 hatte ich im September noch eine Woche Urlaub. Für eine "echte" Alpenüberquerung zu wenig Zeit. In einer Woche über die Alpen funktioniert nur mit Unterstützung von Bus und Seilbahn. Über den E5 von Oberstdorf nach Meran habe ich schon viel gehört, gelesen und gesehen und ich entscheide mich für die Route, die von mehreren Bergsportschulen angeboten wird. Allerdings möchte ich alleine unterwegs sein und nicht mit 15 Gleichgesinnten einem Bergführer hinterherlaufen. Auch Gepäcktransport scheidet für mich aus. Diese Alpenüberquerung ist absolut empfehlenswert und wer nicht mehrere Wochen investieren möchte, wird trotz "Hilfsmittel" viel Freude an der Tour haben. Trotzdem steht der E5 noch auf meiner Bucket List. Das nächste Mal aber dann jeden Meter zu Fuß. Wäre das etwas für 2025?

In den Folgejahren war ich viel Klettern und zu kürzeren Mehrtagestouren unterwegs. Für das Jahr 2020 sollte es wieder eine vierwöchige Alpenüberquerung werden. Dank Corona-Lockdown musste der Termin mehrmals verschoben werden. 2022 wäre es vielleicht möglich gewesen, aber die unterschiedlichsten Vorgaben in den Berghütten (bis hin zu eigener Bettwäsche!) haben mich abgeschreckt. Erst im Folgejahr 2023 waren alle Einschränkungen aufgehoben und die vierwöchige Alpenüberquerung von Salzburg nach Triest konnte realisiert werden.

Recherchiert man im Internet zu Alpenüberquerungen gibt es noch einige Optionen. Angesprochen hat mich ein kurzer Bericht zur Alpenüberquerung Bodensee - Gardasee (28 Etappen). Den dazu passenden Wanderführer habe ich mir bestellt und nach dem ersten Durchblättern war mir klar: das geht nicht. Warum? Im September 2024 war ich eine knappe Woche auf der Lechquellenrunde unterwegs. Die erste Hütte war gleich die schlechteste und ich habe für mich entschieden: die Biberacher Hütte sieht mich nie wieder. Hinzukommt, dass drei Etappen auf dem Weg vom Bodensee zum Gardasee identisch sind mit den Etappen der Lechquellenrunde. Eine Wiederholung muss im Folgejahr nicht unbedingt sein. Also brauche ich eine Alternative!

Wie wäre es mit der Alpenüberquerung von Garmisch nach Brescia (Bezeichnung L1, 30 Etappen)? Klingt nicht schlecht, aber wo bitte liegt Brescia? Wikipedia und Google Maps verraten mir: Brescia ist eine Stadt in der Lombardei, ca. 40 km westlich vom Südufer des Gardasees. Okay, den Rother Wanderführer kann ich mir einmal besorgen und mich einlesen. Eigentlich möchte ich aber schon am Gardasee ankommen. Nachdem ich mir beide Wanderführer angeschaut habe, steht für mich die Entscheidung fest: es soll eine Kombination aus beiden Alpenüberquerungen werden. Start in Garmisch und Ende in Riva del Garda - am Nordufer des Gardasees gelegen.

Beide Rother Wanderführer (Alpenüberquerung Bodensee - Gardasee und Alpenüberquerung L1 Garmisch - Brescia) stellen die GPS-Tracks der Etappen zur Verfügung. Diese habe ich mit einem geeigneten Tool eingelesen und das Ergebnis sieht so aus:



Blau dargestellt die Alpenüberquerung Bodensee - Gardasee, rot die Alpenüberquerung L1 Garmisch - Brescia. Und wo kreuzen sich die Wege? An der Zufallhütte. Also plane ich den Start in Garmisch-Partenkirchen und folge dem "roten" Weg. Ab der Zufallhütte geht es dann auf der blauen Route weiter bis zum Gardasee.

Die Entscheidung steht also fest. Die Hinfahrt mit der Bahn kann ich rechtzeitig buchen. Von Aschaffenburg nach Garmisch (über München) für 27 Euro. Da kann man nicht meckern. Die Rückfahrt kann ich noch nicht buchen. Auch wenn die Etappen feststehen, es kann immer etwas dazwischenkommen. Schlechtes Wetter, zu langsam oder zu schnell unterwegs, Krankheit, Ruhetag(e), Abbruch, usw.

Anfang Januar kontaktiert mich Steffi, die ich vor zwei Jahren bei einer Tourenskiwoche kennengelernt habe. Sie plant ihre erste Alpenüberquerung und würde sich gerne einmal mit mir austauschen. Wir treffen uns und sprechen über Planung und Ausrüstung. Sie hat den Juli frei und möchte in dieser Zeit unterwegs sein. Mein Starttermin steht schon fest und da sie auch auf dem L1 unterwegs sein möchte, vereinbaren wir, gemeinsam zu starten.

Montag, 30. Juni 2025, Anreise und Etappe 1


Am Bahnhof um kurz nach 7 Uhr die erste Überraschung: der Zug hat eine Stunde Verspätung. Das fängt ja toll an. Nicht kritisch, da ab München stündlich ein Zug nach Garmisch fährt. Trotzdem ärgerlich. Es hat schon 20 Grad und die nächsten Tage wird das Thermometer in Deutschland bis auf knapp 40 Grad steigen - meine Temperaturen!

Die Alpenüberquerung startet direkt ab dem Bahnhof. Es geht am Alpspitze Wellenbad und der Talstation der Hausbergbahn vorbei. Gut 900 Höhenmeter sind am ersten Wandertag zu überwinden. Einkehrmöglichkeiten gibt es kaum. Die Kochelberg-Alm kommt sehr früh, Garmischer Haus und Drehmöser 9 sind nur im Winter geöffnet und das Bayernhaus steht unter der Woche Einkehrern nicht zur Verfügung (nur Hausgäste). Bei über 30 Grad starten wir die Alpenüberquerung und kehren auf der Kochelberg-Alm ein. Nach einer kurzen Stärkung geht es zeitweise steil an der Skipiste entlang bergauf. Ansonsten breite, geschotterte Wege mit wenig Schatten. Schön geht anders! Das Schild im Tal gibt 4 Stunden für den Aufstieg zum Kreuzeck an. Wir sind in 2,5 Stunden oben - und das bei der Hitze. Okay, es ist der erste Tag und wir sind noch frisch und ausgeruht.

Steffi hat einen Platz im Matratzenlager bekommen und kann sich dort breit machen. Sie bleibt in dem Lager alleine. Ich bekomme - warum auch immer - ein 2-Bett Zimmer für denselben Preis. Da muss etwas schiefgelaufen sein. Was soll's. Die heiße Dusche (3 Minuten für 5 Euro) tut gut. Um es vorweg zu nehmen: in jeder Unterkunft wird eine heiße Dusche zur Verfügung stehen.

Das Bier (Augustiner) schmeckt und der Flüssigkeitsverlust bei der Hitze ist schnell wieder kompensiert. Ja, ich weiß. Wasser wäre die sinnvollere Alternative, aber mir schmeckt das Bier und ist ein Teil meiner Ernährung. Dafür kann ich nach einem spartanischen Frühstück das Mittagessen ausfallen lassen. Bei der Ankunft auf der Hütte esse ich gerne eine heiße Suppe - bevorzugt Speckknödelsuppe - und abends dann ein Hauptgericht. Halbpension mit Suppe, Hauptspeise und Dessert versuche ich so weit wie möglich zu vermeiden. Meinen Notproviant (zwei Fruchtschnitten á 40 g) werde ich wieder mit nach Hause nehmen.

Gegen 17 Uhr streift uns ein Sommergewitter, aber da sitzen wir schon eine Zeitlang im Gastraum.

Alpspitze
Alpspitze 2.628 m im Abendlicht, im blauen Kreis die Bergstation der Osterfelderbahn, über die Gipfel rechts der Alpspitze führt der Jubiläumsgrat zur Zugspitze

Abendstimmung am Kreuzeck
Abendstimmung am Kreuzeck

Einen Trockenraum besitzt fast jede Hütte, aber Schuhwärmer oft nur Hütten, die auch im Winter geöffnet haben. Sehr angenehm, am nächsten Tag in trockene Schuhe zu steigen, denn Schweiß und/oder Regen sorgen immer für feuchte, wenn nicht sogar nasse Füße. Von wegen Goretex führt die Feuchtigkeit nach außen ab.

Trockenraum im Kreuzeckhaus

Dienstag, 1. Juli 2025, Etappe 2


Mein Hauptproblem bei Hüttenübernachtungen: die Nacht ist immer viel zu lang. Üblicherweise ist um 22 Uhr Hüttenruhe. Meine optimale Schlafdauer beträgt sieben Stunden. d.h. morgens um 5 Uhr habe ich ausgeschlafen. Das ist auch heute so und wird sich die nächsten Wochen täglich wiederholen. Trotz geöffnetem Fenster habe ich im dünnen Daunenschlafsack geschwitzt. Ich habe also Zeit vor dem Frühstück um 7 Uhr die Aussicht bei dem guten Wetter zu genießen.

Kreuzeckhaus
Kreuzeckhaus auf 1.652 m am frühen Morgen des nächsten Tages

Das Schlafhaus am Kreuzeck liegt tiefer als das Haupthaus und ist über verschachtelte Treppen und Gänge erreichbar.

Kreuzeck Alpspitze Zugspitze
Blick auf Kreuzeck Schlafhaus, im Hintergrund die Alpspitze, rechts über dem Höllentalferner die Zugspitze

Es ist schon sehr warm auf 1.650 Metern. Stühle und Tische sind von dem gestrigen Regenschauer aber noch nass, also Frühstück im Innenraum.

Der Weg zur Reintalangerhütte führt über die Mauerscharte und den Schützensteig. Landschaftlich sehr schön, aber schwer zu gehen. Vor allem die vielen, großen Wurzeln der Latschenkiefern im Abstieg von der Mauerscharte sind extrem unangenehm. Außerdem ist es sehr heiß. Die Hitze setzt selbst mir zu - und das soll etwas heißen. Für den Schützensteig haben wir sogar mehr Zeit gebraucht als angegeben.

Schützensteig
Steiler Abstieg über den Schützensteig ins Reintal

Wem der Schützensteig zu anstrengend ist, kann alternativ über den Bernadeinweg zur Bockhütte (bewirtschaftet, keine Übernachtung) ab- und bequem zur Reintalangerhütte aufsteigen.

Die Reintalangerhütte liegt sehr idyllisch auf 1.369 Metern direkt an der erfrischenden Partnach:

Reintalangerhütte

Hier gleiche ich den Flüssigkeitsverlust erst einmal aus, bevor ich den Aufstieg zur Knorrhütte in Angriff nehme. Steffi bleibt hier. Sie kennt die Knorrhütte, hat aber noch nie auf der Reintalangerhütte übernachtet. Ich steige noch 700 Höhenmeter auf. Auch diese Hütte ist voll belegt. Die meisten Übernachtungsgäste wollen morgen auf die Zugspitze oder waren heute schon oben.

Knorrhütte
Knorrhütte 2.052 m, im Hintergrund links die Plattspitze

Jeder Übernachtungsgast auf Berghütten ist irgendwann auf der Suche nach:

Ladestation

Richtig! Smartphones und Smartwatches müssen aufgeladen werden. Inzwischen haben sich (fast) alle Hütten entsprechend darauf eingerichtet. Bei älteren Hütten sind Steckdosen aber rar. Mit etwas Glück werden in der Gaststube oder im Vorraum Steckdosenleisten angeboten. Im Zimmer oder Lager gibt es oft nur eine Steckdose - wenn überhaupt. Ich habe in meinem Rucksack auf Mehrtagestouren immer einen kleinen Mehrfachstecker dabei, der nur 30 g wiegt und Platz für drei Eurostecker bietet:

Mehrfachstecker

Wenn ich mir überlege, was ich früher alles dabeihatte: Fotoapparat, Höhenmesser (barometrisch), Kompass, Taschenlampe, Uhr, Wecker, Kartenmaterial, Wanderführer, ...
Alle Funktionen sind heute in einem Smartphone enthalten - und noch einiges mehr: Wetterbericht abrufen, Unterkünfte buchen, Rückreise planen und buchen. Obwohl ich tagsüber den Flugmodus aktiviere (Akku sparen, nicht gestört werden), möchte das Smartphone jeden Abend aufgeladen werden. Sicherheitshalber habe ich eine kleine 5.000 mAh Powerbank dabei.

Morgen habe ich einen entspannten Tag vor mir. Weniger als 4 Stunden Gehzeit stehen an. Vielleicht große Wäsche an der Gaistalalm?

Mittwoch, 2. Juli 2025, Etappe 3


Natürlich bin ich wieder kurz nach 5 Uhr fit und genieße an der Knorrhütte die Berge im Morgenlicht:

Morgenlicht Knorrhütte
Aufnahme ca. 5:45 Uhr

Knorrhütte und Innere Höllentalspitze
Knorrhütte 2.052 m, dahinter die Innere Höllentalspitze 2.741 m (über den Grat rechts verläuft der Notabstieg vom Jubiläumsgrat zur Knorrhütte)

Zugspitze
Zugspitze 2.962 m, das goldene Gipfelkreuz steht auf einem Felsen (roter Strich)

Ca. 20 Mal habe ich die Zugspitze zu Fuß bestiegen, meistens über das Höllental. Allerdings war ich noch nie am Gatterl. Hier verläuft die Landesgrenze zwischen Deutschland und Österreich. Von Ehrwald kommend sind allerdings zum Gatterl auf 2.042 Meter über 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Mit Unterstützung der Ehrwalder Almbahn erheblich weniger.

Gatterl
Gatterl 2.024 m

Nach dem Gatterl geht es erst einmal bergab um gleich gegenüber zum Feldernjöchl wieder aufzusteigen. Ich zweige Richtung Steinernes Hüttl ab - und schon bin ich alleine unterwegs. Naja, fast. Immer wieder halten Murmeltiere Ausschau nach Feinden und der markante Pfiff ist häufig zu hören. Bis auf wenige Meter komme ich an die putzigen Tierchen ran und schieße einige Bilder. Hier zeigen sich die Schwächen der Smartphone Kameras. Im ersten Moment sieht das Murmeltier auf dem Bildschirm toll aus. Kaum zoomt man etwas hinein wird alles pixelig. Ich verzichte daher an dieser Stelle auf ein Murmeltier Foto. Dafür aber ein letzter Blick zurück auf die Zugspitze:

Zugspitze
Rot markiert Sonn Alpin (Restaurant und Talstation Gipfelbahn), blau markiert das Schneefernerhaus (früher Hotel, heute Umwelt Forschungsstation)

Am Steinernen Hüttl auf 1.925 Metern lege ich eine 70-minütige Pause ein:

Steinernes Hüttl

Hier gibt es sogar ein paar Schlafplätze! Sicherlich sehr rustikal. Die Pächter sind aktuell nicht anwesend. Im Brunnen kann man sich selbst mit kühlen Getränken versorgen. Die Kasse (Briefkasten) befindet sich neben der Eingangstür.

Selbstbedienung am Brunnen

An der Tillfussalm lege ich eine weitere, 90-minütige Rast ein. Wie bereits berichtet ist die Etappe heute für mich sehr kurz und das Wetter angenehm warm.

Tillfussalm
Tillfussalm 1.382 m

Inzwischen ist Steffi auch an der Tillfussalm eingetroffen und gemeinsam legen wir die letzten 15 Minuten zum Tagesziel zurück:

Gaistalalm
Gaistalalm 1.369 m

Die Gaistalalm besitzt nur ein Lager mit 9 Schlafplätzen, sowie ein Zimmer mit 4 Betten. Bei der ersten Anfrage im Januar war die Alm ausgebucht und damals hatte ich eine alternative Route über die Coburger Hütte ausgearbeitet. Eine erneute Anfrage im Mai ergab, dass jetzt doch Platz ist. Der Wirt hatte mir die Reservierung per E-Mail bestätigt, aber den Termin bei sich falsch eingetragen. Wir kommen trotzdem im 9er Matratzenlager unter, in das später noch 5 Männer einquartiert werden. Denen schmeckt das Bier - und später der Wein - sehr gut. Eine unruhige Nacht bahnt sich an.

Nach dem Regen heute am Spätnachmittag hat es abgekühlt. Nicht zu vergleichen mit den rund 40 Grad im Raum Aschaffenburg. Frühstück gibt es erst ab 7 Uhr. Dann stehen erst einmal 700 Höhenmeter Aufstieg an. Und wie wird das Wetter? Abhängig davon welche App man befragt gar nicht so schlecht …

Donnerstag, 3. Juli 2025, Etappe 4


Die Befürchtung hat sich bewahrheitet: das Schnarch Konzert hielt die ganze Nacht an. Zwischendurch bin ich sicherlich immer wieder einmal eingeschlafen. Erholt bin ich nicht wirklich. Jetzt heißt es warten auf das Frühstück, das kurz nach 6:30 Uhr schon fertig ist.

Gaistalalm Frühstück

An der Gaistalalm gibt es seit dieser Saison drei Alpakas, mit denen auch Alpaka Wanderungen angeboten werden. Sind die Tiere nicht wunderschön?

Alpaka

Alpaka

Alpaka

Immerhin ist es fast wolkenlos. Das kann gerne so bleiben. Zuerst steht der Aufstieg zur Niederen Munde an:

Niedere Munde
Niedere Munde 2.059 m

1 Stunde und 50 Minuten brauchen wir für den teilweise schattigen Aufstieg, angegeben sind 2 3/4 Stunden.

Blick von der Niederen Munde zum Steinernen Hüttl, Tillfussalm  und Gaistalalm
Blick von der Niederen Munde zum Steinernen Hüttl (rot), Tillfussalm (gelb) und Gaistalalm (blau)

Niedere Munde Uli und Steffi
Kurze Pause an der Niederen Munde. Wie immer aufgenommen mit Ministativ und Bluetooth Fernbedienung

Beim Abstieg von der Niederen Munde ist an einem schönen Rastplatz mit Holzbänken eine Hütte zu sehen. Ist das schon die Neue Alplhütte?

Blick Richtung Neue Alplhütte

Was auf dem Bild zu sehen ist, ist das Alplhaus - eine Selbstversorgerhütte. Die Neue Alplhütte befindet sich ein paar Gehminuten oberhalb im Wald:

Neue Alplhütte
Neue Alplhütte 1.540 m

Laut Beschilderung ist die Neue Alplhütte von der Niederen Munde in 2 3/4 Stunden zu erreichen. Wir erreichen die Hütte in 1,5 Stunden. Unser Gehtempo ist gleichmäßig, aber nicht schnell. Das habe ich in den Bergen schon so oft erlebt. Manche Gehzeiten sind für Fußkranke angegeben, andere für Trail Runner.

Eine knappe Stunde rasten wir - der Speckknödelsuppe kann ich wieder einmal nicht widerstehen - bevor wir den Abstieg nach Wildermieming in Angriff nehmen. Die Wolken werden immer dunkler. Ein Gewitter kündigt sich an, das uns aber nur streift. Am Ortseingang stellen wir uns 40 Minuten an einer Scheune unter und warten das Regenende ab. Weiter geht es nach Obermieming und Untermieming. Eigentlich ist hier Etappenende. Da morgen eine Doppeletappe ansteht - in der Stamser Alm kann man nicht mehr übernachten - müssen wir noch weiter bis Stams.

Einen Strauß hätte ich in den Alpen am wenigsten erwartet:

Strauss

Viel Asphalt unter den Füßen und die Fußsohlen schmerzen. Hoffentlich entwickeln sich keine Blasen. Nach Untermieming erfolgt der Abstieg zum Inn, den wir auf einer 90 Jahre alten Hängebrücke - dem Stamser Steg - überqueren.

Stamser Steg  Stamser Steg

Im Supermarkt in Stams kaufe ich Getränke, da ich für die anstehende Doppeletappe ausnahmsweise einmal mehr Wasser mitnehmen möchte.

Unsere Unterkunft für heute Abend - der Speckbacherhof - kann ich sehr empfehlen. Es gibt sogar einen Föhn und kostenloses WLAN. In ein paar Gehminuten Entfernung gibt es das Restaurant Orangerie, das zur Stiftung Stams (Kloster) gehört. Unser Timing ist gut. Nächste Woche hat die Orangerie Urlaub. Es ist warm genug, um im Freien zu sitzen. Sehr gutes Essen und Augustiner vom Fass. So kann man es aushalten.

Hendlbrust

Beim Bezahlen gibt es Probleme. Das Kassensystem ist abgestürzt und die Bedienung kann keine Belege mehr abrufen. Der Chef ist schon zu Hause und das Mädel komplett überfordert. Auch nach mehrmaligem Neustart der Kasse geht nichts. IT Support ist angesagt. Nach wenigen Minuten habe ich das Problem identifiziert und behoben. Zum Dank erhalte ich ein kleines Bier und Steffi einen Espresso.

Freitag, 4. Juli 2025, Etappe 5 und 6


Asphalt, 18% Steigung, Regen, 1.200 Höhenmeter Aufstieg, 3 1/2 Stunden Gehzeit: Wandererherz, was willst du mehr?

Nach knapp über drei Stunden ist die Stamser Alm erreicht, in der ja angeblich keine Übernachtungen mehr möglich sind. Von wegen! Man kann übernachten, aber dafür ist es jetzt zu spät. Die Dortmunder Hütte ist bereits gebucht. Die Info zur fehlenden Übernachtungsmöglichkeit kommt vom Autor des Rother Wanderführers selbst:

Update zur Stamser Alm

Die angegebene Alternative auf der Homepage vom Bergverlag Rother (auch vom Author) macht absolut keinen Sinn. Und die Almleute wundern sich, warum keine Anfragen mehr kommen!

Stamser Alm
Stamser Alm 1.873 m, links der Stall, rechts dahinter die Alm

Die Alm gehört dem Zisterzienserkloster Stift Stams. Um 1750 wurde die Kirche Mariä Heimsuchung und ein Wohnhaus nebenan errichtet. Die Alm diente als Sommerfrische für die Mönche und als Sommerresidenz des Abtes. Das ehemalige Wohnhaus der Patres weist mit Zirbenholz getäfelte Zimmer und prächtige Kachelöfen auf. Aktuell ist es an einen Südtiroler Jäger verpachtet, der sich laut Almwirt nur selten blicken lässt.

Stamser Alm

Wir bekommen etwas zu trinken und halten ein Pläuschchen mit dem älteren Almpächter. Ich habe mich bereit erklärt den Bergverlag Rother auf die Fehlinformation hinzuweisen (was ich nach der Tour auch erledigt habe).

1.200 Höhenmeter haben wir schon bewältigt, aber die zweite Etappe wartet noch auf uns. Laut Wanderführer kommen durch die Doppeletappe an diesem Tag 9 bis 10 Stunden Gehzeit zusammen. Anfang der Woche war die Wettervorhersage für heute schlecht. Okay, es hat heute Morgen auch mit Regen angefangen. Der Wetterbericht verspricht ab 10 Uhr Wetterbesserung inkl. Sonne und tatsächlich wird es besser. Damit ist auch die Entscheidung gefallen: es geht über den Pirchkogel, d.h. noch einmal 1.000 Höhenmeter zum Gipfel:

Pirchkogel
Pirchkogel 2.828 m

Leider ist der Gipfel in Wolken und ein Rückblick auf die gestrige Tour nicht möglich.

Pirchkogel Gipfelkreuz Uli und Steffi

Auf der Höhe und in den Wolken ist es kalt. Die geplante Gipfelrast fällt aus. Jetzt müssen noch 900 Höhenmeter im Abstieg bewältigt werden, obwohl die Beine schon müde sind.

Blick vom Pirchkogel ins Kühtai: hinten, links der Bildmitte der Speicher Finstertal. Da müssen wir morgen vorbei. Rechts unten das trübe Gewässer ist der Speicher Längental und darüber das gigantische Neubauprojekt für den zusätzlichen Speicher Kühtai, der Ende nächsten Jahres fertig sein soll. Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht: wenn es viel überflüssigen Strom gibt, wird Wasser in die höheren Stauseen gepumpt. Bei Energiebedarf wird das Wasser wieder an die Turbinen im Tal geleitet und damit Strom erzeugt. Allerdings sind die Eingriffe in die Natur gigantisch. Zumindest hat man es hier geschafft die Staumauer aus Beton hinter Natursteinen zu verstecken.

Kühtai

Die Dortmunder Hütte liegt mitten im Skigebiet Kühtai. Alle Hotels im Umkreis sind im Sommer geschlossen und die Berghütte (besser gesagt Hotel) liegt direkt an der Straße. Nicht schön, aber dafür ist die Hütte sehr gut ausgestattet. Allerdings fehlt ein Trockenraum für Kleidung. Vollkommen unverständlich. Nur die Schuhe können auf die im Winter typischen Schuhtrockner gesteckt werden.

Hotelburgen
Die im Sommer geschlossenen Kühtai Hotelburgen

Dortmunder Hütte
Dortmunder Hütte direkt an der Straße

Dortmunder Hütte
Dortmunder Hütte 1.950 m

Schuh- und Skiraum der Dortmunder Hütte
Schuh- und Skiraum - aber kein Trockenraum

Steckdosen an jedem Schlafplatz der Dortmunder Hütte
Sehr lobenswert: Steckdosen und Leuchte an jedem Schlafplatz

Samstag, 5. Juli 2025, Etappe 7


Wie befürchtet wird der Gastraum erst Punkt 7 Uhr aufgeschlossen. Für 17 Euro gibt es neben Wurst, Käse und Marmelade frischen Obstsalat und einen Kaffeevollautomat, der zumindest einen guten Kaffee zubereitet. Der Schuhtrockner war über Nacht nicht an, die Bergschuhe sind daher nicht trocken. Auch die gewaschenen Bergsocken sind noch feucht - es gibt ja keinen Trockenraum für Kleidung. Dafür funktioniert das kostenlose WLAN.

Um 7:45 Uhr startet bei tollem Wetter die heutige, kürzere Tour, angegeben mit 5 Stunden. Laut Beschilderung in Kühtai sind es angeblich nur 4 Stunden bis zur Schweinfurter Hütte. Sportliche Zeitangabe! Am Stausee angekommen bietet sich ein herrlicher Blick auf den Pirchkogel, von dem wir gestern 900 Höhenmeter zur Dortmunder Hütte abgestiegen sind:

Kühtai und Pirchkogel
Kühtai und Pirchkogel (die Dortmunder Hütte ist nicht zu sehen)

Stausee Finstertal
Stausee Finstertal, dahinter der Zwölferkogel 2.988 m

Sollen wir die Pilze für den Koch mitnehmen oder noch etwas wachsen lassen?

Pilze im Kuhfladen

Bis zur Finstertaler Scharte sind gut 800 Höhenmeter zu überwinden und leider verschwindet die Sonne an der Scharte hinter den Wolken. Unzuverlässiger Wetterbericht, der strahlenden Sonnenschein versprochen hat. Die geplante Rast fällt daher sehr kurz aus. Mehr als 700 Höhenmeter im Abstieg trennen uns vom Tagesziel, der Schweinfurter Hütte:

Schweinfurter Hütte
Schweinfurter Hütte 2.028 m

Sonntag, 6. Juli 2025, Etappe 8 und 9


Die Schweinfurter Hütte ist echt top. Nette Wirtsleute und freundliches Personal. Das Abendessen war sehr schmackhaft und schön angerichtet. Das 10er Lager war voll, aber die Nacht sehr ruhig. Es ist kurz vor 6 Uhr und das Thermometer an der Hütte zeigt 8 Grad. Recht frisch. Frühstück gibt es hier bereits um 6:30 Uhr:

Schweinfurter Hütte Frühstück

Das ist gut so, denn auch heute ist wieder eine Doppeletappe geplant. Nein, das Etappenziel der ersten Etappe ist nicht geschlossen. Gestern hatten wir mit 4:20 Stunden bereits einen kurzen Tag und die nächste Hütte ist auch nur 4,5 Stunden entfernt, die übernächste weniger als 4 Stunden. Die zwei Etappen lassen sich gut an einem Tag zusammenlegen.

Kurz nach 7 Uhr brechen wir auf. Nur der Wetterbericht ist bedenklich: viel Regen, kalt, Montag und Dienstag Schnee. Eventuell müssen wir umplanen. Das Wetter hält allerdings länger als erwartet.

800 Höhenmeter Aufstieg zum Zwieselbachjoch auf 2.868 Metern:

Zwieselbachjoch

... und wieder 400 Höhenmeter absteigen zur schönen Winnebachseehütte, die wir nach knapp 4 Stunden erreichen:

Winnebachseehütte
Winnebachseehütte 2.362 m

Winnebachseehütte

Nach einem kurzen Getränkestop an der Hütte steigen wir zuerst 800 Höhenmeter nach Winnebach/Gries ab. Ein kurzer Regenschauer erwischt uns im unteren Teil. Kein Problem. Rucksackhülle über den Rucksack und Regenschirm raus.

Winnebach, Winnebach, Winnebach. Das geht mir die ganze Zeit durch den Kopf. Die Gehirnzellen kramen in der Vergangenheit. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Oder gibt es woanders noch ein Winnebach? Dann fällt es mir plötzlich ein. Für über 20 Jahren war ich mit meinem Sohn, einem Freund und seiner Tochter zum Skifahren in Sölden. Kurzfristig hatten wir rund um Sölden keine bezahlbare Unterkunft gefunden und sind letztendlich in Winnebach gelandet.

Auf einer langweiligen Schotterstraße steigen wir wieder auf und nach insgesamt 6:38 Stunden reiner Gehzeit erreichen wir die Amberger Hütte:

Amberger Hütte
Amberger Hütte 2.136 m

Die zwei Etappen haben geschlaucht. Zum Glück gibt es eine heiße Dusche. Die Lebensgeister kehren wieder zurück.

Die Amberger Hütte scheint heute nicht voll zu werden. Im 12er Lager bin ich alleine untergebracht:

Amberger Hütte Matratzenlager

Die Mobilfunkabdeckung in den Bergen weist noch sehr viele Lücken auf. Dafür bieten einige Hütten WLAN über Satellit. Dieser Service ist allerdings kostenpflichtig. Auf der Amberger Hütte kostet die WLAN Stunde 5 Euro. In der Nähe des Hüttenbuchs funktioniert bei mir das Internet - auch ohne Satelliten gestütztes WLAN. Manchmal reicht es sich ein paar Meter links oder rechts zu bewegen.

Spannend wird die Tour morgen über das Atterkarjöchl auf fast 3.000 Meter. Ist das Wetter gnädig? Schneit es oben? Wenn wir da nicht drüber kommen, haben wir ein Problem, da die nächsten Unterkünfte schon gebucht sind.

Montag, 7. Juli 2025, Etappe 10


An der Amberger Hütte kündigt sich ein herrlicher Morgen an: Nebel, leichter Regen und einen schönen Blick auf die Großbaustelle. Zum Glück müssen wir heute nur auf knapp 3.000 Meter und haben lediglich 8 Stunden Gehzeit vor uns.

Amberger Hütte Nebel

Okay, das ist sarkastisch, aber es hilft ja nichts. Immer wieder den Wetterbericht aufrufen. So wie es aussieht, gibt es nur etwas Regen. Die Wolkendecke soll aber hin und wieder aufreißen. Nach dem erbärmlichen Frühstück für 22 (!!!) Euro starten wir an der Amberger Hütte. In der Nacht hat es geregnet, der Boden ist aufgeweicht und immer wieder müssen Pfützen umrundet werden.


Amberger Hütte
Blick zurück zur Amberger Hütte nach den ersten Gehminuten

Wie erwartet fängt es beim Aufstieg leicht zu regnen an, hört aber nach zwei Stunden wieder auf. Die Herausforderung an diesem Tag ist der versicherte Steig vor dem Atterkarjöchl.

Atterkarjöchl
Atterkarjöchl 2.976 m

Durch die Felsplatten rechts vom tiefsten Punkt zieht sich der versicherte Steig.

Klettersteig Atterkarjöchl

Was macht diese Kletterstelle so speziell?



90 MByte!

Nach 3 Stunden ist es geschafft. Wir stehen am Atterkarjöchl:

Atterkarjoechl Uli und Steffi

Wie heißt es im Wanderführer so schön: "... schauen wir ins Herz der Ötztaler Alpen mit einem wahren Gipfelmeer". Wir sehen: NICHTS.

Der Abstieg auf der anderen Seite durch das Rosskar und Atterkar ist steil. Trittsicherheit ist gefragt. Bis Sölden sind mehr als 1.600 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Der Pfad ist schmal, die Gräser und Pflanzen sind nass und geben das Wasser bereitwillig an die Schuhe und die Hose ab. Meine Schuhe sind innen komplett nass. Vergesst Goretex!

Rosskar
Zumindest lässt sich die Bergwelt erahnen!

Im Abstieg kommt man an der Kaiserbergalm 2.015 m vorbei. Wir wissen, dass diese geschlossen ist, machen aber eine kurze Rast.

Kaiserbergalm

Kurz vor Sölden dann noch eine unangenehme Überraschung. Die Brücke über den Wütenbach fehlt. Sie liegt auf der anderen Seite:

Brücke fehlt

Zu reißend ist der Bach, um ihn so zu überqueren. Ein ungeplanter Umweg an diesem schon sehr langen Wandertag!

Nicht wirklich schön ist der Weg durch Sölden und weiter nach Zwieselstein. Steffi bleibt erst einmal in Sölden (Shopping Tour), da sie ihre Unterkunft (Talherberge Zwieselstein, Alpenverein Selbstversorgerhütte) erst am späten Nachmittag beziehen kann.

Ich kann dem Trubel in Sölden nichts abgewinnen und laufe direkt zu meiner Pension in Zwieselstein.

Alpenheim Simone

Es ist niemand da, aber an der Haustüre finde ich die Info, dass ich mich selbst einquartieren soll:

Check In

Erst einmal eine heiße Dusche und - wie fast täglich - Shirt und Unterwäsche waschen. Die Schuhe und Socken sind so nass, bis morgen sind die nie und nimmer trocken, selbst mit Unterstützung eines Haartrockners.

Steffi muss sich heute selbst versorgen, ich genieße im Hotel Restaurant Neue Post ein schmackhaftes Rumpsteak mit Pfeffersoße:

Rumpsteak

Der Wetterbericht kündigt für heute Nacht Neuschnee bis auf fast 2.000 Meter an. Wahrscheinlich ist die morgen geplante Etappe nicht möglich. Abwarten und erst einmal (noch) ein Bier trinken. Immer wieder prüfe ich den Wetterbericht. Auf den Bergen schneit es. Der geplante Aufstieg zum Ramolhaus auf 3.006 m macht für morgen keinen Sinn, zumal am Folgetag das Ramoljoch auf knapp 3.200 Metern überschritten werden muss. Ich sage ab. Die Stornierung wurde freundlich entgegengenommen, Kosten entstanden keine. Allerdings setze ich das Ramolhaus auf meine Wunschliste.

Dienstag, 8. Juli 2025, Etappe 11 (Etappe 12 entfällt)


Zum Frühstück treffe ich erstmalig die Pensionswirtin Sonja und sie liefert auch gleich die Erklärung, warum sie gestern nicht da war. Sie hilft gelegentlich ihrer Tochter auf der Martin-Busch-Hütte! Das Ramolhaus ist storniert, die Alternative lautet Ruhetag auf der Martin-Busch-Hütte. Sonja ist so freundlich und telefoniert direkt mit der Martin-Busch-Hütte und reserviert eine weitere Übernachtung. Übermorgen wird sie wieder in der Hütte helfen!

Das Bild sagt alles:

Wintereinbruch in den Bergen

Leider gibt es von Zwieselstein nach Vent keinen Wanderweg. Nur die ersten drei Kilometer verlaufen auf geschotterten Wegen, der Rest folgt der asphaltierten Straße. Am Ortsausgang von Zwieselstein treffe ich Steffi wieder, die sich in der Talherberge auch sehr wohl gefüllt hat. Über 13 Kilometer und mehr als 400 Höhenmeter später erreichen wir bei immer wieder einsetzendem, leichten Regen nach drei Stunden Vent.

Nach einem Einkehrschwung im Restaurant-Cafe Tyrol Alt Vent mit einem Germknödel und einem Cappuccino stehen noch 600 Höhenmeter Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte an. Auch der Aufstieg bleibt nicht trocken. Kurz vor der Hütte ein hilfreicher Hinweis:

Letztmaliger Handyempfang

Die Information ist fast richtig. In der Hütte selbst gibt es keinen Empfang. Auf der Terrasse funktioniert es an einer Stelle gelegentlich.

Die Hütte ist fast voll. Der Hauptgrund dafür: die Hütte liegt auf dem sehr beliebten E5 von Oberstdorf nach Meran und die Variante über die Martin-Busch-Hütte wird sehr regelmäßig von diversen Bergsportschulen als geführte Tour angeboten.

Mittwoch, 9. Juli 2025, Ruhetag


Ich bin voll ausgelastet und wandere von der Hütte zum Schild "Letztmaliger Handyempfang". Immerhin 200 Meter hin und wieder zurück! Zumindest konnte ich meinen Blog aktualisieren. Ansonsten verbringe ich den Tag mit dem Lesen von diversen Bergzeitschriften. Steffi macht einen Ausflug zur Similaun Hütte und Ötzi-Fundstelle auf 3.000 Meter.

Nasse Füße am Montag und über 10 Kilometer Asphalt gestern setzen meinen Füßen zu. Kündigen sich das etwas Blasen an den Fußballen an? Der Ruhetag ist für die Fußsohlen sicherlich vorteilhaft.

Wetterbesserung ist angekündigt, aber hoffentlich wird es auch wärmer, damit der Schnee wegschmilzt. Immerhin müssen wir morgen auf über 3.300 Meter aufsteigen. Einheimische Almhirten sind davon überzeugt, dass die Überschreitung des Saykogels auch bei Neuschnee möglich ist.

Martin-Busch-Hütte
Martin-Busch-Hütte 2.501 m um 8:30 Uhr

Trockenraum Martin-Busch-Hütte
Trockenraum der Martin-Busch-Hütte nachdem fast alle Übernachtungsgäste die Hütte verlassen haben

Matratzenlager Martin-Busch-Hütte
Matratzenlager

In diesem Jahr hat sich der Deutsche Alpenverein etwas einfallen lassen: Freie Nacht fürs Klima. Mindestens 90 % der Anfahrt müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden und dann ist eine Übernachtung auf einer der teilnehmenden Hütten im Matratzenlager frei. Von den Hütten der Alpenüberquerung nimmt nur die Martin-Busch-Hütte teil. Bei der gestrigen Anmeldung war dies dem Personal nicht bekannt. Da musste erst der Hüttenwirt gefragt werden. Hat aber geklappt.

Donnerstag, 10. Juli 2025, Etappe 13


Über Nacht haben sich die Wolken tatsächlich verzogen. Allerdings ist es um 5:45 Uhr an der Hütte auch richtig kalt:

Thermometer
-5 Grad

Im Tal halten sich noch einige Wolken, aber der Himmel ist klar:

Wolken im Tal

Auch der Schnee zieht sich zurück. Damit sollte der Weg über den Saykogel möglich sein - mit 3.355 Metern der höchste Punkt der Alpenüberquerung. Also um 6 Uhr frühstücken und 850 Meter aufsteigen.

Saykogel
Saykogel 3.355 m (Markierung)

Herrlicher Blick auf den Similaun 3.599 m:

Similaun
Aufgenommen in einer Höhe von ca. 2.920 m

Bereits nach dem Saykogel Gipfel ein herrlicher Blick in die Bergwelt:

Fineilspitze
Fineilspitze 3.514 m (rot) und Hauslabkogel 3.402 m (gelb)

Die Überschreitung des Saykogels im Neuschnee geht erstaunlich gut, zumal vom gestrigen Tag schon Spuren zu sehen sind. Trotzdem, jeder Schritt muss sitzen. Bereits im Abstieg ein Blick zurück zum Saykogel:

Saykogel Abstieg

Saykogel Abstieg

Vom Saykogel steigen wir wieder 900 Höhenmeter ab. Der Blick wandert zur Wildspitze:

Wildspitze
Wildspitze 3.768 m - inzwischen geschrumpft, bei meiner Besteigung vor 50 Jahren war sie noch 3.774 m hoch

... und weiter unten zum Hochjochhospiz - eine Alternative, um von Vent aus zur Schönen Aussicht zu gelangen:

Hochjochhospiz
Hochjochhospiz 2.413 m

Die Brücke über den Gletscherbach markiert den tiefsten Punkt des Abstieges vom Saykogel (2.470 m):

Brücke Gletscherbach

Jetzt sind es noch 400 Höhenmeter Aufstieg bis zum Etappenziel. Wir laufen oberhalb des Gletschersees vorbei und genießen den Blick auf die verschneiten Gipfel:

Gletschersee Fineilspitze und Schwarze Wand
Gletschersee, dahinter der Hochjochferner mit der Fineilspitze (rot), Schwarze Wand (gelb), rechts davon sind die Stützen des Liftes auf dem Gletscher zu erkennen (Skigebiet)

Über das Hochjoch auf 2.861 m erreichen wir in wenigen Minuten die Schöne-Aussicht-Hütte (Bella Vista), die bereits in Italien - oder besser gesagt Südtirol - liegt:

Schöne-Aussicht-Hütte
Schöne-Aussicht-Hütte 2.842 m, links davon im Hintergrund die Lagaunspitze 3.440 m

Schöne-Aussicht-Hütte

Matratzenlager Schöne-Aussicht-Hütte
Uriges Matratzenlager mit Bettwäsche

Das Highlight an der Hütte ist sicherlich die Sauna im Außenbereich. Laut Eigenwerbung die höchstgelegene Outdoor-Sauna in Europa. Das darf man sich natürlich nicht entgehen lassen! Sehr positiv: an jedem Lagerplatz liegen zwei Handtücher für die Sauna und es entstehen keine Zusatzkosten.

Sauna Außenansicht
Im verspiegelten Nebengebäude sind die Duschen untergebracht und beim Fotografieren ist man selbst auf dem Bild

Sauna Innenaufnahme

Das junge Team auf der Hütte erscheint noch etwas unkoordiniert zu sein, aber letztendlich passt alles.

Freitag, 11. Juli 2025, Etappe 14


Heute werden die Oberschenkel und Knie extrem belastet. Insgesamt sind 2.900 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Das Wetter ist gut, allerdings haben wir auf 2.842 Meter nur 2 Grad - zumindest Plus.

Frühstück ab 7 Uhr, beim Bezahlen gestern Abend hieß es dann aber doch 6:15 Uhr. Das kommt uns natürlich entgegen. Ganz pünktlich geht es nicht los, aber dafür ist das Frühstück ganz nett angerichtet:

Frühstücksbüfett Schöne-Aussicht-Hütte

Abstieg nach Kurzras, ein Ort, der hauptsächlich vom Wintersport lebt und einzig und allein aus einem riesigen Hotelkomplex zu bestehen scheint.

Kurzras
Kurzras 2.011 m

Nur dumm, dass wir auf der anderen Seite wieder 760 Höhenmeter zum Taschenjöchl auf 2.772 Meter aufsteigen müssen. Bereits im Aufstieg ist der Baulärm zu hören. Direkt am Jöchl wird die Heilbronner Hütte neu gebaut, die bereits 1932 abgebrannt ist. Am früheren Standort befindet sich eine Notunterkunft, die derzeit von den Bauarbeitern genutzt wird.

Bodenplatte Heilbronner Hütte
Angeblich soll die Hütte bis Herbst 2026 fertig sein

Taschenjöchl Gipfelkreuz

Beim Abstieg kommt man ein zwei Seen vorbei. Warum sich der obere See Schwarze Lacke nennt?

Schwarze Lacke

Trinkpause an der Kortscher Alm auf 1.993 m:

Kortscher Alm

Immer noch 1.200 Höhenmeter Abstieg. Auch wenn die Wege befestigt sind, geht es sehr steil nach Schlanders. Alles andere als schön zu gehen. Nach über 7 Stunden reine Gehzeit ist das Ziel endlich erreicht. Nach einer heißen Dusche sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und nach dem tollen Essen (Tagliata de Manzo) und zwei Bier habe ich den Eindruck ich hätte heute noch nichts geleistet.

Zum Abschluss noch ein gutes Eis in der Gelateria. Bei mir natürlich immer zwei Kugeln Pistazien.

Samstag, 12. Juli 2025, Etappe 15


Auch heute stehen viele Höhenmeter im Aufstieg an, insgesamt ca. 1.800. Wir folgen nicht dem Original Track aus dem Wanderführer, sondern der vom Hausherrn empfohlenen Route. Teilweise sehr schön, aber auch ordentlich steil. Nach 2 3/4 Stunden erreichen wir die Göflaner Alm auf 1.826 Metern. 400 Höhenmeter pro Stunde - für einen alten Mann eine passable Leistung!

Goflaner Alm

Auf der Alm werden wir aufmerksam beobachtet:

Ziege

2 Energy Drinks (Radler) schalten den Turbo ein. Zur Scharte sind es noch einmal 470 Höhenmeter. Oberhalb der Alm wird seit 1.856 das weiße Gold abgebaut - auch heute noch. Angeblich der schönste Marmor weltweit. Mühsam wurden die Blöcke mit Seilen auf Holzpfählen abgelassen. So muss man sich das vorstellen:

Marmorblock

Das Marmor Abbaugebiet (inzwischen unterirdisch):

Marmorabbau

Auf der Alm hat man uns gesagt, dass der Aufstieg zur Scharte eigentlich gesperrt ist: der Weg wurde unter einer Gerölllawine begraben. Es besteht Steinschlaggefahr. Wo nicht im Gebirge? Im Geröll müssen wir selbst einen gangbaren Weg suchen. Ist aber halb so schlimm.

Weg unter Gerölllawine begraben

Die Göflaner Scharte auf 2.396 Metern erreichen wir nach 1,5 Stunden:

Göflaner Scharte
Göflaner Scharte - höchster Punkt am heutigen Tag

Noch trennen uns zwei Stunden vom Tagesziel, dem Berggasthaus Stallwies:

Berggasthof Stallwies

Erst einmal eine Speckknödelsuppe, dann eine Dusche und bald gibt es schon Abendessen.

Stallwies Speckknödelsuppe

Im Gasthof kommen wir nicht unter. Eine Gruppe von Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) verbringen mit ihren Eltern eine Woche im Berggasthof Stallwies und haben sichtlich Spaß an ihrem Aufenthalt. Manche Menschen mit Down-Syndrom haben spezielle Talente und tatsächlich hören wir das ein oder andere Lied auf dem Akkordeon.

Wir müssen - oder besser gesagt dürfen - mit dem kleinen, schnuckeligen Lager im Nebengebäude Vorlieb nehmen. Das recht neue Bad teilen wir uns mit dem Erntehelfer.

Stallwies Nebengebäude

Stallwies Lager

Der Gastraum für Abendessen und Frühstück:

Stallwies Gastraum

Sonntag, 13. Juli 2025, Etappe 16


Unterschiedliche Wetter Apps melden für den Nachmittag Regen. Auch der Wirt bestätigt die Prognose. Und die Realität kurz nach 8 Uhr? Es regnet. Also Pariser über den Rucksack ziehen, Bergstöcke verstauen und Regenschirm aufspannen. Ja, Regenschirm! Seit Jahren habe ich damit in den Bergen sehr gute Erfahrungen gesammelt.

Auf dem Höhenweg Nr. 8 geht es taleinwärts. Wer jetzt annimmt, der Weg schlängelt sich gemütlich einer Höhenlinie entlang, der irrt gewaltig. Immer wieder geht es auf und ab, teilweise auch steil.

Der Regen ist nicht stark, aber die in den Pfad hineinreichenden, nassen Gräser sorgen dafür, dass die Hose bis zu den Knien patschnass ist und das Wasser durch den Schuh dringt. Die Goretex Membran hat komplett versagt! Die Bergschuhe von La Sportiva sind erst drei Jahre alt und das Profil noch top. Aber in diesem Zustand sind sie unbrauchbar. Ob ich mir jemals wieder Bergschuhe von La Sportiva kaufe? Nach der Alpenüberquerung werde ich La Sportiva auf jeden Fall schreiben. Ich gehe aber davon aus, dass dies den Hersteller nicht interessiert.

Nach 2:40 Stunden erreichen wir die Lyfialm auf 2.165 Metern. Raus aus den Schuhen, raus aus den nassen Socken. Erst einmal einen heißen Kräutertee (kein Spaß!) trinken. Steffi hat mich auch schon komisch angeschaut. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!

Erste Wolkenlücken reißen auf. Vielleicht kommt die Sonne noch raus und ich kann Schuhe und Socken zumindest etwas trocknen, bevor es weitergeht.

Lyfi Alm
Lyfi Alm 2.165 m

Das Etappenziel der heutigen Etappe auf dem L1 ist eigentlich die Marteller Hütte. Da ich mich für eine Kombination aus zwei Alpenüberquerungen entschieden habe, endet der heutige Tag an der Zufallhütte.

Kreuzung

Mit meinen nassen Schuhe bevorzuge ich den direkten Aufstieg zur Hütte, Steffi nimmt die im Wanderführer angegebene Route.

Zufallhütte
Zufallhütte 2.265 m

Der Blick in die Berge ist eindrucksvoll, wären da nicht diese Socken im Weg:

Socken

Von der Zufallhütte blickt man nicht nur auf den Zufritt-Stausee, den wir bei dem schlechten Wetter nur selten gesehen haben, sondern vor allem auf das rote Hotel Paradiso. Ein Hotel der absoluten Luxusklasse - allerdings ist das schon ein paar Jahre her. 1937 eröffnet (damals noch grün gestrichen) galt es als eines der modernsten Luxushotels seiner Zeit. Das Hotel war sehr bekannt und gut ausgebucht. Der 2. Weltkrieg beendete diese Luxusleben abrupt. Im Krieg wurde es teilweise militärisch genutzt. 1952 kaufte es ein Reeder aus Venedig. Das Hotel wurde umgebaut und rot gestrichen, aber nicht mehr fertiggestellt. 1966 wurde es vom Eigentümer der Forst Brauerei gekauft, dem es auch heute noch gehört. Passiert ist nichts. Es wurde ausgeraubt, teilweise zerstört und dem Verfall preisgegeben.

Hotel Paradiso

Ist dieser Hauswurz nicht ein Traum? Er wächst und blüht direkt vor der Zufallhütte.

Hauswurz

Montag, 14. Juli 2025, Etappe 17 und 18


Am Vorabend besprechen wir, wie wir die Tour heute gestalten. Die Dorigoni Hütte wird für die Freundlichkeit und das gute Essen gelobt. Da möchte ich gerne übernachten, auch wenn nur 4,5 Stunden Gehzeit angegeben sind. Steffi möchte eigentlich weitergehen. Wir einigen uns darauf, auf der Dorigoni Hütte zu übernachten, die Online Reservierung scheitert aber kläglich. Lassen wir es auf uns zukommen.

Der Morgen startet traumhaft schön, der Wetterbericht sagt aber instabiles Wetter voraus. Was für ein Blick am frühen Morgen (5:45 Uhr) auf die Südliche Zufallspitze (Cevedale II) 3.757 m:

Zufallspitze

Ein paar Meter unterhalb der Zufallhütte geht es über eine Hängebrücke:

Hängebrücke unterhalb der Zufallhütte

Auf dem Weg zur Dorigoni Hütte müssen wir heute über das Sallentjoch 2.965 m - die Höhe der Zugspitze.

Ein paar Minuten von der Zufallhütte entfernt geht es über eine Hängebrücke:

Hängebrücke

Im Anstieg zum Salentjoch müssen ein paar Altschneefelder (unproblematisch) überwunden werden. Steffi musste unterwegs von Winter auf Sommer umrüsten und kommt etwas später am höchsten Punkt an:

Anstieg Sallentjoch

Salentjoch
Salentjoch 2.965 m

Am Sallentjoch angekommen bietet sich erstmalig der Blick in die Brenta:

Blick in die Brenta

Inzwischen ist es komplett zugezogen und wir steigen ab. Nach einer Stunde erreichen wir die Dorigoni Hütte:

Rifugio Dorigoni
Rifugio Dorigoni 2.426 m

Äußerlich kein Highlight, überzeugt die Hütte auch nicht von innen. Es ist noch nicht einmal Mittagszeit und draußen ist es ungemütlich. Was tun? Weiter absteigen ist die sinnvollste Variante. Die Mutter unserer Bedienung betreibt im Tal eine Unterkunft: Il Sorriso dei Nonni, ca. 4 km vor Malé, also kurz vor dem Etappenziel. Sie ruft an und ja, ein Zimmer ist noch frei. Wir entscheiden abzusteigen - also wieder zwei Etappen am Tag. Ob wir die empfohlene Unterkunft nehmen oder weiter nach Malé absteigen entscheiden wir später.

Wenn es dringend ist, ist die Angabe der Wegzeit zum stillen Örtchen ganz wichtig:

Schild WC 5 Sekunden

Immer wieder regnet es leicht. Wir verlassen den „offiziellen“ Weg und steigen am eindrucksvollen Wasserfall ab:

Wasserfall

Der Weg zieht sich. Fast zwei Etappen an einem Tag mit insgesamt knapp 12 Stunden angegebene Gehzeit sind einfach zu viel. In einer Bar bekommen wir immerhin etwas zu trinken und Steffi etwas zu essen:

Bar Centrale

Irgendwie sehe ich ziemlich geschafft aus:

Uli mit Bier

Leider gibt es kein Bild nach dem Bier. Da sehe ich 20 Jahre jünger aus - mindestens!

Wir entscheiden uns in dem empfohlenen Quartier zu bleiben:

Il Sorriso Dei Nonni

Steffi hat genug für den heutigen Tag und keine Lust, Essen zu gehen. Ich habe Hunger und gehe in das kleine Restaurant Angolo del Buon Gusto - keine hundert Meter entfernt.

Restaurant Angolo del Buon Gusto
Der Wein im Vordergrund ist nur zu Dekozwecken hingestellt worden :-)

Vorspeise  Hauptspeise

Dienstag, 15. Juli 2025, Etappe 19


Die heutige Etappe ist kurz, also lassen wir es ruhig angehen. Der Frühstücksraum ist wunderschön, das Frühstück selbst überschaubar, aber gut:

Frühstücksraum

Zuerst müssen wir den Rest der Etappe 18 nach Malé im Abstieg bewältigen. Auf einem schönen Weg am Fluss entlang ist das in 45 Minuten erledigt. Auf dem Weg werden wir mit einem großen Warnschild darauf hingewiesen, dass wir uns jetzt im Bärengebiet befinden. Einerseits wäre es einmal toll, einen Bären in freier Wildbahn zu sehen, andererseits möchte ich nicht wirklich einem begegnen.

BearArea

Laut Wanderführer sind von Malé bis zum Rifugio Peller 5,5 Stunden einzuplanen. Für 1.300 Höhenmeter erscheint mir das etwas viel. Wir werden nur 3 1/4 Stunden brauchen.

In Malé kommen wir an einem Grundstück vorbei, in dem sich ein echter Künstler verewigt hat. Aus einem Baum hat er eine lebensgroße Figur gehauen/geschnitzt:

Kunst

Nach gut der Hälfte der Wegstrecke kommen wir an einem offenen Biwak vorbei: Bivacco Mezol.

Bivacco Mezol
Bivacco Mezol 1.485 m

Wir rasten. Ein Brunnen liefert frisches Quellwasser. Übernachten möchte ich hier nur im Notfall. Alles recht schmuddelig.

Das heutige Etappenziel Rifugio Peller erreichen wir schon kurz vor 13 Uhr. Die Lage mit der traumhaften Sicht auf die Dolomiten ist einzigartig. Aktuell ist es etwas trüb, daher kein Bild mit Fernsicht.

Rifugio Peller
Rifugio Peller 2.022 m

Schön gestaltete Bänke laden zum Verweilen ein. Dazu ein kühles Radler. Das Leben kann so schön und einfach sein!

Bank am Rifugio Peller

Die nächste Überraschung beim Einchecken in der Alpenvereinshütte (CAI): wir sind heute die einzigen Übernachtungsgäste!

Morgen wird es auch spannend. Die Etappe ist kurz, aber anspruchsvoll. Das Problem: am Etappenziel können wir nur schlafen, es gibt kein Abendessen. Unterwegs kommen wir an einer Alm vorbei. Hoffentlich können wir da etwas Käse und Brot kaufen.

Mittwoch, 16. Juli 2025, Etappe 20


Die Aussicht auf dem Monte Peller soll gigantisch sein. Ein Blick aus dem Fenster nach Sonnenaufgang lässt aber schon erahnen, dass wir die Fernsicht vergessen können. Trotzdem steigen wir 300 Höhenmeter zum Gipfel auf (man könnte den Gipfel auch umgehen). Im Aufstieg ist sogar ein Klettersteig dabei, der aber den Namen nicht wirklich verdient. Eine kurze Leiter und ein paar Stahlseile:

Uli auf der Leiter am Klettersteig  Steffi auf der Leiter am Klettersteig

Auf dem Weg zum höchsten Punkt öffnen sich plötzlich eindrucksvolle Felsspalten. Bilder können diese Tiefblicke nur ansatzweise wiedergeben!

Felsspalten am Monte Peller

Der Gipfel ohne Sicht bietet zumindest ein originelles „Gipfelkreuz“:

Monte Peller
Monte Peller 2.320 m

Bevor Fragen kommen: ich habe es nicht verbogen!

Bei guter Sicht muss die Rundumsicht phänomenal sein. Ich packe die Hütte und den Gipfel einmal in meine Bucket List.

Beim Abstieg auf der anderen Seite bietet sich ein interessanter Blick auf den Monte Pellerot. Links vom Grat saftige Wiesen, rechts davon Felsabgründe:

Monte Pellerot

An der Malga Tassulla wird die Gehzeit zur Malga (=Alm) Tuena mit 1:40 Stunden angegeben. Ein paar Minuten später zeigt ein weiteres Schild für dieselbe Alm 2:20 Stunden an. Muss man nicht verstehen. Wir brauchen 2 Stunden zur Malga Tuena:

Malga Tuena
Malga Tuena 1.740 m

Der Wanderführer schreibt zu der Alm: "Nach dem einsamen Wegabschnitt überrascht die trubelige Einkehrhütte mit zahlreichen Besuchern". Aktuell sind wir die einzigen Gäste. Obwohl es nicht regnet sind meine Schuhe und Socken schon wieder durchnässt. 30 Minuten durch Gräser mit Morgentau haben gereicht.

Unsere Unterkunft heute Abend bietet kein Essen an, also genieße ich an der Alm eine Portion Spaghetti Aglio e Olio.

Nach zwei Stunden Rast brechen wir auf und erreichen das Etappenziel Albergo Lago Rosso am Lago di Tovel.

Albergo Lago Rosso

Wie bereits angekündigt ist das Restaurant geschlossen, allerdings gibt es Kleinigkeiten zu essen (Panini), aber vor allem ausreichend zu trinken. Ich hatte mich schon auf einen Abend mit Wasser eingestellt. Um so besser!

Steffi ist nicht ausgelastet und umrundet den See. Ich bevorzuge es in den kalten See einzutauchen:


25 MByte

Blick vom Badestrand über den See zu den Brenta Bergen:

Blick vom See in die Brenta

Heute mit Fernseher, allerdings schaffe ich es nicht einen Full HD Sender einzustellen. Es wird kühl und wir nehmen direkt neben dem eingeheizten Kamin Platz.

Fernseher im Albergo Lago Rosso  Kamin im Albergo Lago Rosso

Donnerstag, 17. Juli 2025, Etappe 21 und die Hälfte von 22


Es gibt erst ab 8 Uhr Frühstück und wir haben einen langen Aufstieg zur Tuckett Hütte vor uns. Der Juniorchef lässt sich erweichen bereits eine halbe Stunde früher Frühstück zu richten. Gestern sehr freundlich, ist er heute ein echter Morgenmuffel.

Gastraum im Albergo Lago Rosso  Frühstück im Albergo Lago Rosso

Echtes italienisches Frühstück: abgepackter Zwieback, abgepackte Marmelade, abgepacktes Nutella, ... Auf Hütten in Italien habe ich das schon öfter erlebt. Fairerweise muss ich ergänzen, dass das Frühstück noch in Vorbereitung ist und Müsli, Brot und frischer Hefezopf ergänzt werden.

Laut Hütten Homepage ist die Tuckett Hütte komplett ausgebucht. Wir brauchen einen Plan B. Wieder zwei Etappen zusammenlegen? Geht nicht, da die Hütte am Ende der nächsten Etappe in diesem Jahr wegen Umbaumaßnahmen geschlossen ist. Auf der halben Strecke der Folgeetappe liegt die vor ein paar Jahren renovierte Brentei Hütte. Über das Internet versuche ich zu reservieren, bekomme aber keine Antwort. Wir probieren es trotzdem.

Der Aufstieg vom See ist mit 1.200 Höhenmetern lang, aber sehr einsam. Am Rifugio Stoppani - mehr Hotel als Hütte - ist die Hölle los. Verständlich, da man bis hier mit der Seilbahn fahren kann. Dafür ist die Sicht bei diesem traumhaften Bergwetter phänomenal:

Presanella
Die markante Felsformation ist die Presanella im Adamello Gebirge

Panorama Presanella bis Cevedale
Auf das Bild klicken, um den Panorama Viewer zu starten

Die Tuckett Hütte erreichen wir in knapp 1,5 Stunden:

Tuckett Hütte
Tuckett Hütte 2.272 m

Auch hier herrscht Hochbetrieb. Gefühlt tausende von Italienern tummeln sich rund um die Hütte und die Lautstärke ist gigantisch. Ein Getränkestop muss trotzdem sein. Dafür entschädigt der Blick in die Berge:

Brenta

Wir entscheiden uns weiter zu gehen, auch wenn die Unterkunft noch nicht bestätigt ist. Nach 1,5 Stunden erreichen wir die Brentei Hütte:

Rifugio Brentei
Rifugio Brentei 2.182 m

Meine Reservierungsanfrage ist im System nicht zu finden. In der Hütte kommen wir nicht unter, aber im Biwak ist noch Platz. Im Bild oben das Gebäude rechts von der Hütte.

Rifugio Brentei Biwak

Die komplett neu renovierte Hütte ist wunderschön geworden und ich freue mich auf die Halbpension, die in wenigen Minuten beginnt.

Damit waren wir heute lange unterwegs und haben 1,5 Etappen geschafft. Morgen stehen wieder 1,5 Etappen an - soweit die Planung.

Freitag, 18. Juli 2025, Rest Etappe 22 und Etappen 23 und 24


Der Tag hat es in sich. Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: der Bügel meiner Lesebrille ist abgebrochen. Besser jetzt als zu Beginn der Tour.

Und die gute Nachricht? Wandern in der Brenta bei herrlichem Wetter ist absolut traumhaft. Für mich das landschaftliche Highlight der Alpenüberquerung.

Die Brentei Hütte am frühen Morgen:

Rifugio Brentei

Die Gipfel werden von den ersten Sonnenstrahlen geküsst:

Brenta im Morgenlicht

Traumhafter Blick in die Adamello Gruppe - auch wenn sich noch einige Wolken tummeln:

Blick in die Adamello

Der Aufstieg zur Bocca di Brenta auf 2.552 m im Schatten ist gut zu bewältigen - inklusive Schneefeld und Klettersteig. Steffi am höchsten Punkt:

Steffi an der Bocca di Brenta

Der Blick von der Scharte Bocca di Brenta zur Tosa Hütte (unterhalb vom Rifugio Pedrotti):

Tosa Hütte

Die Pedrotti Hütte wird dieses Jahr umgebaut:

Rifugio Pedrotti
Rifugio Pedrotti 2.491 m

Auch wenn man auf der Pedrotti Hütte dieses Jahr nicht übernachten kann, hat man eine kleine Bar gezimmert und bietet zumindest Getränke und Panini an:

Bar am Rifugio Pedrotti

Weiter geht es über einen herrlichen Steig (bis auf die letzten 10 Minuten) zur Agostini Hütte:

Rifugio Agostini
Rifugio Agostini 2.410 m

Nach einer Pause an der Hütte steigen wir zu unserem Etappenziel ab, dem Rifugio Cacciatore:

Rifugio Cacciatore
Rifugio Cacciatore 1.820 m

Was macht man, wenn man um kurz vor 13 Uhr schon am Tagesziel ist??? Wir sind verrückt und hängen noch eine Etappe dran! 2,5 Etappen an einem Tag. Muss das wirklich sein? Kein Mitleid, wir haben das selbst entschieden. Im Rifugio Cacciatore wäre genug Platz gewesen.

Die nächste Etappe führt eigentlich über den Monte Pizzo Sattel nach Stenico. Das wäre allerdings zu viel für diesen Tag. Die Alternative ist die Schlechtwettervariante nach San Lorenzo. Da wird sich sicherlich eine Unterkunft finden. Wir sitzen am Friedhof in San Lorenzo und es ist ca. 16 Uhr. Das Hotel Bellavista in Villa Banale scheint das ideale Ziel zu sein. Ich rufe an. Die freundliche Dame hat den Belegungsplan nicht greifbar, will aber zurückrufen. Okay, dann laufen wir schon einmal nach Villa Banale. Es ist kurz vor 18 Uhr und wir erhalten die Info, dass das Hotel ausgebucht ist. Leider hätte sie uns nicht erreicht. Also sitzen wir eine gute Stunde vor dem Hotel und beratschlagen. Ich genieße dabei das ein oder andere Bier - Veltins vom Fass!!!. Ja, endlich einmal kein Foster. Inzwischen ist es kurz vor 19 (!!!!) Uhr und wir haben noch keine Unterkunft für die Nacht. Notfalls schlafen wir irgendwo im Freien.

Bar Bella Vista
Bar Bella Vista

Plötzlich kommt Steffi um die Ecke. Sie hat in Ponte Arche in einer Pizzeria ein Zimmer gefunden. Allerdings müssen wir noch weiter auf 400 Meter absteigen. Um 19:42 Uhr sind wir endlich in der Unterkunft.

Pizzeria

Erst einmal kultivieren. Wahnsinn, was eine heiße Dusche bewirkt. Auf der Terrasse hinter dem Haus genießen wir ein tolles Abendessen und fallen irgendwann todmüde ins Bett.

Samstag, 19. Juli 2025, Etappe 25


Das Frühstück im Restaurante Il Picchio wird rustikal auf einer alten Werkbank bereitgestellt.

Frühstück im Il Picchio

Nicht sehr umfangreich, aber für mich vollkommen ausreichend. Wie so oft in Italien schmeckt der Kaffee umso besser.

Da wir notgedrungen schon in Ponte Arche sind, wird die heutige Etappe kürzer als geplant. Eigentlich wäre gestern Stenico das Etappenziel gewesen. Und von Stenico nach Ponte Arche läuft man laut Führer 2:25 Stunden.

Schneller als geplant erreichen wir die letzte Hütte Rifugio San Pietro und erhaschen den ersten Blick auf das finale Ziel, den Lago di Garda:

Gardasee - Lago di Garda
Um diese Jahreszeit leider normal: dunstige Sicht auf den See

Hier ist viel los - Tagesgäste, die bis fast an die Hütte mit dem Auto fahren können. Am Spätnachmittag kehrt sicherlich Ruhe ein. Es ist kurz vor 12 Uhr und ich genieße die Aussicht auf Riva und den See. Steffi kann sich noch nicht damit anfreunden um diese Zeit am Ziel zu sein. Alleine absteigen möchte sie nicht, daher unternimmt sie noch eine Wanderung.

Warum die Hütte auf der Homepage als belegt ausgewiesen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Aktuell sind wir die einzigen Gäste. Angeblich sollen noch zwei Personen kommen. Das Bett kostet für Alpenvereinsmitglieder 21 Euro. Eine heiße Dusche ist im Preis inkludiert.

Rifugio San Pietro
Rifugio San Pietro 974 m - 900 Höhenmeter über Riva del Garda

Die kleinen Zimmer sind mit Doppelstockbetten ausgestattet:

Rifugio San Pietro 2-Bett Zimmer

Nach und nach verlassen die Tagesgäste die Hütte und es kehrt himmlische Ruhe ein. Abendessen gibt es um 19 Uhr und ich habe mich für die Halbpension entschieden. Wir können im Freien essen, auch wenn man schon eine Jacke vertragen kann.

Rifugio San Pietro Abendessen auf der Terrasse

Mein Hauptgericht ist eine Zusammenstellung von lokalen Spezialitäten:

Rifugio San Pietro Abendessen

Das hat so lecker geschmeckt wie es aussieht.

Einer der Vorteile, wenn man hoch über dem See übernachtet, ist der nächtliche Blick auf Riva del Garda und den Lago:

Riva del Garda und Lago bei Nacht

Sonntag, 20. Juli 2025, Etappe 26 - das Finale


Frühstück gibt es offiziell erst ab 8 Uhr. Die junge Bedienung hat sich bereiterklärt das Frühstück auf 7:30 Uhr vorzuziehen. Allerdings hält sich der Aufwand für die Vorbereitung in Grenzen. Ein Brötchen, etwas Butter und Marmelade und kleines Stückchen Kuchen. Dafür kostet das Frühstück auch nur 8 Euro und der Kaffee ist richtig gut.

Rifugio San Pietro Frühstück

Das nimmt man gerne in Kauf, wenn man ganz alleine im Freien frühstücken kann und mit einem herrlichen Blick auf den Gardasee belohnt wird. Um 8 Uhr brechen wir zur letzten Etappe auf und folgen der Route des Wanderführers und nicht dem kürzesten Weg. Landschaftlich sehr schön, aber mit den Gegenanstiegen nochmals über 1.000 Höhenmeter im Abstieg. Wir kommen durch Villa Canale, angeblich der schönste Ort Italiens. Da ich nicht alle Ortschaften in Italien kenne, kann ich das nicht beurteilen. Schön anzusehen sind die alten Häuser auf jeden Fall.

Villa Canale
Villa Canale 600 m

Den letzten Abschnitt durch die Schlucht des Torrente Albola darf man nicht unterschätzen: schmal, steil, Tritthilfen, teilweise seilversichert. Ein Fehltritt führt hier unweigerlich zum Absturz!

Und dann ist es endlich geschafft. Am 21. Tag (bei 26 Etappen) erreichen wir um 11:37 Uhr das Ziel der Alpenüberquerung - den Gardasee:

Uli am Gardasee

Steffi und Uli am Gardasee

Das Ankunftsbier ist für mich Pflicht - noch dazu bayerisches Bier:

Ankunftsbier

Für Steffi ist es wichtiger die Alpenüberquerung mit einem Bad im Gardasee zu beenden. Da der Gardasee in einer Stunde voraussichtlich auch noch da ist, ziehe ich es vor, ein weiteres Hopfenkaltgetränk zu bestellen.

Natürlich ist auch für mich der Sprung in den Gardasee Pflicht. An den Stränden (grüne Wiesen, Kieselstrand) ist die Hölle los. Zum Glück habe ich Steffi gebeten in WhatsApp ihren Standort zu teilen, ansonsten hätte ich sie in dem Trubel nicht gefunden. Nach dem Bad im Gardasee bleiben wir auf der Wiese liegen, damit die "Badebekleidung" wieder trocknen kann. Die wärmende Sonne und die Anstrengungen der letzten drei Wochen lassen mich kurz wegnicken.

In der Altstadt ein bezahlbares Hotel zu finden ist gar nicht so einfach. Immerhin druckt die Touristeninfo ein paar Empfehlungen mit Freimeldung aus. Angeblich dürfen Sie in unserem Namen nicht in den Unterkünften anrufen. Das ist mir neu. Anruf bei der ersten Unterkunft: belegt. Die zweite hat Zimmer frei - und liegt Mitten in der Altstadt! Noch besser: ein großes Restaurant ist integriert und Unterkunftsgäste bekommen 10 % Rabatt. Auf dem Weg zur Unterkunft suchen wir gezielt eine Eisdiele auf. Bei mir natürlich zwei Kugeln Pistazien.

Nach der erholsamen Dusche krame ich aus den Tiefen meines Rucksacks noch ein frisches Hemd heraus. Das Restaurant ist gut besucht und das Abendessen hervorragend. Die Altstadt lädt anschließend zu einem Bummel bei knapp 30 Grad ein. An jeder Ecke spielt ein Straßenmusiker.

Montag, 21. Juli 2025


Im Hinterkopf bestand die Idee noch ein paar Tage dranzuhängen, in einem Sportgeschäft eine Klettersteigausrüstung auszuleihen und den ein oder anderen Klettersteig zu gehen. Die letzten Etappen habe ich mir das immer wieder durch den Kopf gehen lassen und letztendlich entschieden, dass eine Nacht in Riva del Garda ausreichend ist. Bereits am Samstag habe ich nach geeigneten Zugverbindungen gesucht. Natürlich zahlt man für die Rückfahrt erheblich mehr, wenn diese kurzfristig gebucht wird. Der Zug um 11:43 Uhr wäre ideal, kostet allerdings 179 Euro. Zwei Stunden später kostet er 140 Euro und um 15:43 Uhr 100 Euro. Ich entscheide mich für die 13:43 Uhr Variante. Steffi möchte sich 40 Euro sparen und nimmt den letzten Zug. Am Dienstag sind die Züge noch günstiger, das würde allerdings zusätzliche Kosten für die Unterkunft bedeuten.

Das Frühstück ist absolut top. Hier ein kleiner Ausschnitt vom Büfett:

Hotel Restaurant RivaMia Frühstück

Ich verabschiede mich von Steffi und nehme den Bus nach Rovereto (2,90 Euro), der ca. 45 Minuten unterwegs ist. In Rovereto habe ich genug Zeit, um die Altstadt zu erkunden. Bei 28 Grad und Rucksack mit Bergschuhen auf dem Rücken ist das allerdings nicht ganz entspannend. Aber es lohnt sich! Die Kirche Chiesa Madre di San Marco ist sehr prunkvoll:

Chiesa Madre di San Marco

Zufälligerweise stoße ich auf eine Ausstellung von alten Kaffeemaschinen und Kaffeemühlen der Firma Bontadi, die es bereits seit 1790 gibt. Ein Beispiel dieser wunderbaren Ausstellungsstücke:

Alte Siebträger Kaffeemaschine

Dann die schockierende Nachricht: der Zug von Rovereto nach München fällt ersatzlos aus. Letztendlich finde ich eine Alternative und erreiche Aschaffenburg um 23:02 Uhr. Meine Frau holt mich ab und gegen 1 Uhr falle ich müde aber sehr zufrieden ins eigene Bett - den Schlafsack lasse ich im Rucksack.

Steffi hat mit dem letzten Zug weniger Glück. Dieser ist nicht ausgefallen, sondern kam zu spät aus Venedig. Damit erreicht sie den letzten ICE von München nach Aschaffenburg nicht mehr und strandet in München. Immerhin zahlt die Deutsche Bahn die zusätzliche Übernachtung.

Inzwischen habe ich die Alpen vier Mal überquert. Die letzten Tage sind mir die Vor- und Nachteile der jeweiligen Touren durch den Kopf gegangen. Welche war die schönste? Jede Alpenüberquerung hat Vor- und Nachteile. Eigentlich würde ich den Traumpfad München-Venedig an erster Stelle sehen, aber die ersten drei und die letzten fünf Etappen im Flachland werten diese Tour erheblich ab. So ergibt sich folgende Reihenfolge:

  1. Garmisch - Gardasee
  2. Salzburg - Triest
  3. München - Venedig
  4. Oberstdorf - Meran