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Home > Korsika GR20 > Tourenbeschreibung Korsika GR20 Tourenbeschreibung
Kurz unterhalb der Refuge de Carrozu zweigt an einem Steinhaus ein fast nicht sichtbarer Weg durch das Gebüsch in Richtung Asco ab. Die Refuge de Carrozu wäre eigentlich das Ziel der zweiten Etappe gewesen. Da wir Zeit aufholen müssen, gehen wir gleich weiter. Einige Minuten später treffen wir auf die 2. Hängebrücke, die vor einigen Jahren erneuert worden ist. Am Lac de la Muvrella machen wir die erste Pause. Weiter geht es über die 'Osterhasenscharte' in Richtung Bocca di Stagnu. Um einen weiteren Tag zu gewinnen, beschließen wir, den alten GR 20 Weg über die alte Altore Hütte zu nehmen und den Abstieg nach Asco (Refuge di Stagnu) zu meiden. Die Sonne scheint, aber ein kalter Wind läßt uns frösteln. Nachdem wir uns wieder auf dem GR 20 von Asco kommend befinden, wird der Sturm immer stärker. Trotz schwerem Rucksack und steilem Aufstieg wird uns nicht warm.
Kochen bei diesem Wind stellt sich als schwierig heraus. Trotzdem gelingt es uns, eine Trekking-Mahlzeit und einen Tee zuzubereiten. Kurz nach 20 Uhr ist uns so kalt, dass wir uns in die Schlafsäcke verziehen. Eine ungemütliche Nacht steht uns bevor. Der Sturm läßt uns kaum schlafen. Auch einige Regentropfen verirren sich auf unseren Gesichtern. Gegen Morgen klart es auf. Der Blick in den glasklaren Sternenhimmel läßt die Kälte und Nässe vergessen.
Ein kurzer Blick in die Hütte mit den für die Refuges typischen Kochstellen und wir gehen weiter zu den Bergeries de Ballone. Diese Bergeries ist bewirtet und wir genießen das kalte Bier und ein Omelette. Während der Pause nähert sich ein Gewitter und ein kräftiger Hagelschauer überzieht die Umgebung mit Hagelkörnern. Eigentlich möchten wir am nächsten Morgen auf den Paglia Orba steigen, aber dazu müßten wir heute noch auf die Mori Hütte. Das Wetter bessert sich etwas und wir verlassen die Bergeries de Ballone. Unterwegs überrascht uns noch ein kurzer Hagelschauer und kurz vor 18 Uhr erreichen wir die Mori Hütte. Alle Schlafplätze sind bereits belegt, aber der Guardian erlaubt uns, in der Küche auf dem Boden unser Nachtlager auszuschlagen. Zumindest ist es trocken hier! Die Kochstellen sind sehr begehrt und wir müssen uns noch etwas gedulden, bis wir kochen können. Dafür schmeckt uns der Rotwein vorzüglich. Schon vor 6 Uhr brechen wir auf, um ohne Frühstück und Gepäck einen der schönsten Berge auf Korsika zu besteigen - den Paglia Orba. Einige Kletterstellen im festen Fels und das noch ohne Gepäck - welch ein Genuß! Schon bald taucht auf der gegenüberliegenden Seite das große Loch im Capu Tafunatu auf. Nach dem Frühstück auf der Mori Hütte steigen wir ab ins Golotal. An einer der zahlreichen Gumpen kultivieren wir uns erst einmal. Knapp 2 Stunden nach der Erfrischung befinden wir uns am Col de Verghio, der einzige Punkt auf dem GR 20 Nord, der eine Straße kreuzt. Ein häßlicher Hotelbau und die Gerippe der Skilifte laden nicht zum Verweilen ein.
Nach dem Aufstieg auf den Col de Rinoso lassen wir uns nieder. Biwak- und Schlafsäcke müssen ausgepackt und in der Sonne getrocknet werden. Auf dem Kocher bereiten wir uns eine Tütensuppe zu. Nach einer Stunde Pause setzen wir die Wanderung fort und erreichen nach knapp einer Stunde unser Tagesziel, die Refuge de Pétra Piana. Zu unserer Verwunderung sind noch einige Matratzen frei und wir freuen uns schon auf eine trockene und weiche Nacht. Es ist noch früher Nachmittag und der Körper schreit nach einer Dusche. Das Wasser ist kalt und kostet einige Überwindung, aber man fühlt sich danach einfach traumhaft. Das Dosenbier und der Rotwein schmecken. Abwechslung bekommt unser Speisenplan. Wir werden zum Spaghetti Essen eingeladen. Der Rucksack eines deutschen Ehepaars soll erleichert werden, da am nächsten Tag der Abstieg ansteht.
Der letzte Tag unserer Wanderung beginnt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Auch heute starten wir ohne Frühstück und packen den Kocher erst auf dem Sattel Crête de Muratello aus. Wir überlegen lange, welche der beiden Varianten wir an diesem Tag angehen. Den langen Abstieg durch das Agnone Tal mit der Möglichkeit, in den Gumpen zu baden und die sehenswerten Wasserfälle Cascade des Anglais zu besichtigen oder die alpine Variante über den Monte d'Oro. Die Sicht ist gut und wir entscheiden uns für den Aufstieg auf den Monte d'Oro. Vor dem Gifpelaufschwung lassen wir die Rucksäcke stehen und nach einigen Kletterstellen in festem Fels stehen wir auf dem Gipfel. Die Sicht ist gigantisch, allerdings bläßt ein stürmischer, kalter Wind. Nach 1.500 Metern anstrengendem Abstieg hat uns die Zivilisation wieder. Am Bahnhof von Vizzavona genießen wir ein großes, kaltes Bier, bevor es mit der Eisenbahn für ca. 17 Euro zurück nach Calvi geht (Fahrtzeit mehr als 3 Stunden!). Eine wunderbare Woche geht nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu Ende. Es verbleibt ein schöner Tag in Calvi, den wir zum Einkaufen und zum Baden im Meer nutzen. In Calvi fängt an diesem Wochenende das Jazz-Festival an. Wir genießen noch etwas die Klänge der Musik bevor es am nächsten Tag mit dem Flieger zurück nach Frankfurt geht. |